Was ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung?

 

Die Betriebsunterbrechungsversicherung schützt dich vor Schäden, die entstehen, wenn dein Unternehmen eine Zeit lang stillsteht. Dir fehlen Einnahmen, die Kosten laufen aber weiter.

In diesem Beitrag erfährst du, was die Betriebsunterbrechung leistet und auf was du achten musst.

Was ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung?

Steht dein Unternehmen eine Zeit lang still und du kannst deswegen keinen Ertrag erwirtschaften, hast du einen Vermögensschaden. Diesen Schaden ersetzt eine Betriebsunterbrechungsversicherung (BU). Sie übernimmt die fixen Kosten (Miete, Kreditkosten, Gehälter usw.) und deinen entgangenen Gewinn. Deswegen nennt man sie auch Ertragsausfallversicherung.

Damit die BU leistet, muss zuvor ein Ereignis eingetreten sein, dass deinen Betrieb stillgelegt hat. Das kann ein Sachschaden (z.B. ein Brand), ein technisches Problem (Stromausfall), der Ausfall eines Lieferanten oder auch eine behördliche Anordnung (z.B. Betriebsschließung wegen einer Krankheit) sein. Dieses Ereignis muss der Grund dafür sein (kausal), dass dein Betrieb stillsteht.

Beispiel:
In einer Arztpraxis brennt es. Die medizinischen Geräte haben einen Wert von 200.000€. Diesen Schaden ersetzt die Geschäftsinhaltsversicherung. Die Praxis muss aber für 9 Monate schließen. In der Zeit können keine Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt werden. Die Fixkosten und der Gewinn für diesen Zeitraum betragen ca. 600.000€. Für die Zeit zahlt die Betriebsunterbrechungsversicherung die vereinbarte Entschädigung.




    Was und wie leistet die Betriebsunterbrechungsversicherung?

    Um zu klären, was und wie die BU leistet, musst du einige wichtige Begriffe kennen.

    Versicherte Gefahren und Risiken in der Betriebsunterbrechungsversicherung:

    Das sind die oben beschriebenen Auslöser, wann die Versicherung greift. Meistens sind das die klassischen Sachgefahren Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl und Naturgefahren. Diese Auslöser sind so vielfältig wie die Firmen, die es gibt. Je nachdem, was die größten Risiken sind, sollten die versicherten Gefahren und Risiken aufgeführt sein. Ein Gastronomiebetrieb sollte das Risiko der Betriebsschließung aufgrund einer behördlichen Anordnung versichern. Für einen Handwerker ist das eher nicht nötig.

    Ein spezielles Risiko für Soloselbstständige und Kleinunternehmen ist der Inhaberausfall. Ursprünglich kommt das Konzept aus dem Handwerk. Wenn der*die Meister*in aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, steht der gesamte Betrieb still. Das Gleiche gilt jedoch auch für alle anderen Branchen, deren Erfolg von einer Person abhängt.

    Haftzeit in der Betriebsunterbrechungsversicherung:

    Das ist die Zeit, für die der Versicherer eine Entschädigung zahlt, solange wie der Betrieb geschlossen ist. Es wird taggenau abgerechnet. Üblich sind Haftzeiten von 12 oder 24 Monaten (v.a. bei Produktionsbetrieben). Hast du eine Haftzeit von 12 Monaten, erhältst du also maximal so lange deine Entschädigung. Steht der Betrieb länger still, bekommst du nichts mehr.

    Versicherungssumme in der Betriebsunterbrechungsversicherung:

    Das ist die Summe, die für die Haftzeit zur Verfügung steht. Ist die Haftzeit also länger oder kürzer als 12 Monate, musst du die Versicherungssumme entsprechend anpassen! Grundsätzlich sollte die Versicherungssumme dem sog. Versicherungswert entsprechen. Der Versicherungswert sind deine fixen Kosten zzgl. Deines Gewinns. Die Faustformel zur Ermittlung des korrekten Versicherungswerts lautet:

    Umsatz
    ./. Wareneinsatz
    + Betriebserhaltung (25% Aufwendung für Hilfs- und Betriebsstoffe + Fremdenergie)
    + Vorsorge (ca. 20% für die allgemeine Geschäftsentwicklung)

    Schadenminderungskosten in der Betriebsunterbrechungsversicherung:

    Du bist verpflichtet (bei jeder Versicherung) den Schaden möglichst zu mindern. Kommst du dem nicht nach, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder ganz verweigern. Unter Umständen entstehen dadurch aber zusätzliche Kosten (z.B. Zukauf von halbfertigen Erzeugnissen, Miete von Geräten oder Räumen, vergabe von Fremdaufträgen usw.). Diese Kosten übernimmt der Versicherer ebenfalls. Sie sind beitragsfrei mitversichert. Wenn du also den Schaden abwenden oder reduzieren kannst, tu das unbedingt.

    Schadensfall

    Du bist verpflichtet (bei jeder Versicherung) den Schaden möglichst zu mindern.

    Welche Varianten der Betriebsunterbrechungsversicherung gibt es?

    Es gibt viele Variationen, Bedingungen, Klauseln, Sonderdeckungen usw. je nachdem, welche Risiken und Gefahren das Unternehmen hat. Grundsätzlich gibt es jedoch drei wesentliche Arten von Betriebsunterbrechungsversicherungen:

    Kleine Betriebsunterbrechung (KBU)

    Sie ist gewissermaßen ein Anhängsel zur Geschäftsinhaltsversicherung. Ihre Versicherungssumme und die versicherten Gefahren richten sich nach der Geschäftsinhaltsversicherung. Die Summe ist meist auf 1 Mio. Euro begrenzt. Die Haftzeit beträgt meist 12 Monate. Die KBU eignet sich für kleine Handwerksunternehmen, Ladenlokale und Dienstleistungsunternehmen mit entsprechendem Betriebsvermögen.

    Beispiel:
    Ein Restaurant versichert den Geschäftsinhalt (Ausstattung, Küchengeräte, Waren, Vorräte) mit 150.000€ gegen Feuer, Leitungswasser, Einbruch, Sturm und Hagel. Die KBU leistet also maximal 150.000€ für 12 Monate.

    Mittlere Betriebsunterbrechung (MBU)

    Sie ist ein eigenständiger Vertrag mit eigenem Bedingungswerk. Die versicherten Gefahren und Risiken sind alle vereinbarten. Die Versicherungssumme ermittelt sich aus Umsatz abzüglich Wareneinsatz und beträgt maximal 2,5 Mio. Euro. Die Haftzeit beträgt 12 bis 24 Monate. Die MBU eignet sich für mittlere Handels-, Handwerks- und Produktionsunternehmen. Außerdem ist sie sinnvoll bei Dienstleistungsunternehmen, deren Ertrag deutlich über dem des Geschäftsinhalts liegt.

    Beispiel:
    Eine Arztpraxis hat ein versichertes Betriebsvermögen von 250.000€. Der jährliche Umsatz abzgl. Wareneinsatz beträgt aber 1,3 Millionen Euro. Die Arztpraxis sollte die MBU mit einer Versicherungssumme von 1,3 Millionen Euro wählen. Mit einer KBU läge eine deutliche Unterversicherung vor.

    Große Betriebsunterbrechung (GBU)

    Die GBU ist für Industrie, Landwirtschaft und größere Handels- und Produktionsunternehmen geeignet. Sie ist wie die MBU nur eben für größere Versicherungssummen.

    Warum und wer sollte eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließen?

    Wie bei jeder Versicherung gilt: Du solltest Risiken versichern, deren Eintritt die Existenz deines Unternehmens gefährden. Hast du also entweder keine auslösenden Gefahren bzw. Risiken oder aber dein Betrieb kann weiter arbeiten, auch wenn die Risiken/Gefahren eingetreten sind, brauchst du keine Betriebsunterbrechungsversicherung.

    Die längerfristige Betriebsunterbrechung ist oftmals ein existenzielles Risiko für das Unternehmen. Eine Arztpraxis kann nur in den Räumlichkeiten mit den Geräten laufen. Ein Restaurant kann niemanden bewirten, solange das Lokal geschlossen ist. Ein Produktionsbetrieb, der erst eine Halle neu aufbauen muss, kann nichts herstellen und verkaufen. Ein Brautmodengeschäft, dessen Verkaufsraum und Lager ausgeräumt wurde, kann keine Kund*innen beraten und Kleider verkaufen. Ein Programmierer dagegen kann auch woanders programmieren. Eine Anwältin kann sich kurzfristig auch woanders einmieten.

    Eine Betriebsunterbrechung ist deswegen schnell existenziell, weil du einerseits keine Einnahmen mehr erzielst, anderseits die Fixkosten (Miete, Gehälter, Leasingraten, Versicherungen) weiterlaufen. Selbst mit einem guten Liquiditätspuffer gehen da schnell die Lichter endgültig aus.

    Überlege also stets, welche Gefahren und Risiken zu einer Betriebsunterbrechung führen können und wie lange diese maximal anhält. Hole dir dazu externe Unterstützung bei HWK, IHK, Verbänden und kompetenten Versicherungsmakler*innen.

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    1. Risiken erkennen / 2. Auswahl der richtigen versicherten Gefahren/Risiken und der Versicherungssumme / 3. Auswahl des Versicherers und die Beantragung

    Worauf solltest du bei der Betriebsunterbrechungsversicherung achten?

    Risiken erkennen:

    Als Erstes ist es wichtig, dass du dich mit der Thematik überhaupt auseinandersetzt. Es gilt der Dreiklang: Risiken erkennen, Risiken vermeiden bzw. reduzieren, Risiken versichern. Bist du potenziell von einer Betriebsunterbrechung bedroht und gefährdet sie die Existenz deines Unternehmens? Kannst du die Risiken und Gefahren vermeiden und/oder reduzieren? Das können zum Beispiel Änderungen im Betriebsablauf oder Einrichtung von Sicherungsmechanismen sein. Ein gutes Brandschutzkonzept kann das Risiko und den Schaden deutlich reduzieren, vermeiden jedoch nicht. Wenn du ein produzierendes Unternehmen hast und ein Notstromaggregat, vermeidest du das Risiko, dass dein Betrieb aufgrund eines Stromausfalls stillsteht. Was sich nicht vermeiden oder reduzieren lässt, versicherst du.

    Versicherte Gefahren und Versicherungssumme

    Als Nächstes ist die Auswahl der richtigen versicherten Gefahren/Risiken und der Versicherungssumme wichtig. Auch hierbei unterstützt dich dein*e Versicherungsmakler*in. Die zu versichernden Gefahren und Risiken ergeben sich aus der oben angesprochenen Risikoanalyse. Für die korrekte Versicherungssumme brauchst du

    • deine aktuellste betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) mit einem rollierenden 12-Monatszeitraum
    • letzten Jahresabschluss
    • Übersicht des Anlage- und Umlaufvermögens

    Aus unserer Beispiel BWA ergibt sich eine notwendige Versicherungssumme von min. 185.000€ (Erlöse 277.000€ – Wareneinsatz 92.000€).

    Aus dem Jahresabschluss und der Übersicht des Anlage- und Umlaufvermögens ergibt sich eine mögliche Versicherungssumme für die Inhaltsversicherung. Da es sich dort aber um steuerlich abgeschriebene Werte handelt, musst du diese mit dem möglichen Neuwert abgleichen. In unserem Beispielfall haben wir eine kaufmännische und technische Betriebseinrichtung von ca. 45.000€.

    Eine Kleine Betriebsunterbrechung (KBU) kommt also nicht infrage. Wir müssen die mittlere Betriebsunterbrechung (MBU) wählen. Eine Haftzeit von 12 Monaten ist für unser Beispiel ausreichend. Der Versicherungswert für dieses Jahr beträgt 185.000€. Da wir eine deutlich positive Geschäftsentwicklung erwarten, schlagen wir 20% drauf. Wir setzen die Versicherungssumme also auf 222.000€ fest. Das entspricht einer Tagesentschädigung von 617€. Wir versichern die Gefahren Feuer, Leitungswasser, Einbruch, Elektronik. In der Risikoanalyse haben wir festgestellt, dass eine Betriebsunterbrechung aufgrund Sturm und Hagel ausgeschlossen ist. Ohne Elektronik (z.B. in den Kassensystemen) kann unser Beispiel-Unternehmen nicht arbeiten und steht entsprechend still.

    In unserem Beispiel-Unternehmen kommt es nun zu einem Schaden: Es wurde eingebrochen, Elektronik und Ware wurde gestohlen, die Räumlichkeiten verwüstet. Der Sachschaden beträgt etwa 20.000€. Das übernimmt die Geschäftsinhalts- und Elektronikversicherung. Der Laden muss jedoch solange schließen, wie die Polizei Spuren sichert. Außerdem muss der Innenraum renoviert, neue Ware bestellt und Ersatz für die Elektronik beschafft werden. Das Ganze zieht sich etwa 3 Monate hin. Für diese Zeit erhält unser Beispiel-Unternehmen 55.500€ (617€ x 90 Tage).

    Auswahl und Antrag

    Ist das geklärt, geht es an die Auswahl des Versicherers und die Beantragung. Bei der Auswahl des richtigen Versicherers hilft dir dein*e Versicherungsmakler*in. Bei der Beantragung ist es natürlich wichtig, dass du die Risikofragen korrekt und vollständig beantwortest. Machst du Falschangaben, gefährdest du deinen Versicherungsschutz. Da sich die Bedingungen von Anbieter zu Anbieter unterscheiden, solltest du v.a. die Ausschlüsse und Obliegenheiten kennen. Obliegenheiten sind die Auflagen, die du erfüllen musst, um Versicherungsschutz zu haben. Zu den wichtigsten Obliegenheiten gehören (neben der wahrheitsgemäßen Beantwortung der Antragsfragen) die fristgerechte Beitragszahlung, die unverzügliche Anzeige von Änderungen, die unverzügliche Anzeige von Schäden und die Schadenminderung.

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    WICHTIG: Einmal jährlich die aktuellen Gegebenheuten des Unternehmens mit den Angaben in der Versicherung abgleichen!

    Prüfe regelmäßig mindestens jährlich, ob die Versicherungssumme noch korrekt ist und ob Risiken entfallen oder hinzugekommen sind.

    Gern unterstützen wir dich bei der Absicherung deiner Betriebsunterbrechung!

    Vereinbare dazu ein online kostenfreies Kennenlerngespräch mit uns.

    Viele Grüße Tom + Claudia + Stephan

     





      Seit 2011 sind Stephan Busch und Tom Wonneberger die PROGRESS Finanzplaner. In ihrem Blog erklären sie alles rund um Versicherungen und Finanzen - einfach und verständlich. Weitere Infos findest Du auf der Über Uns Seite.


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